Erlebnisse eines neuen Leutnants

Einige Wochen sind vergangen seit die Companie ihr Lager bei Burg Liebegg aufgeschlagen hat und ich Leutenant-Luft schnuppern durfte.

Mit dieser zeitlichen Distanz versuche ich ein kurzes Resumée zu ziehen.  Ich erlebte in den Tagen Hochs und Tiefs, es gab Momente in denen ich an mir selbst zweifelte und Augenblicke die grossartig waren und unvergesslich bleiben.


Mit Adleraugen überwacht der Leutnant von seinem Tisch aus das Camp (Photo by Eliane Caramanna)

In weiser Voraussicht habe ich im Vorfeld Mathieu um Rat gefragt und er hat mir wertvolle Tipps gegeben, die mir geholfen haben, mich im Sattel zu halten. Falls ihr jemals überraschenderweise in die Situation gelangt die militärische Führung über eine vierzigköpfige, internationale Reenactementgruppe zu übernehmen, solltet ihr folgende Punkte beherzigen:

1. Wähle deine Unteroffiziere weise.

Unteroffiziere nehmen dir jede Menge Arbeit ab. Sind sie motiviert und machen sie ihre Arbeit gerne, sind sie zudem ein Quell an Ideen wie man die Soldaten bei Laune hält. Und damit kommen wir gleich zu Punkt zwei:

2. Sorge dafür, dass sich die Soldaten nie langweilen.

Mathieu hat mich auf diesen Punkt besonders aufmerksam gemacht. Es gibt wenig Schlimmeres, als wenn Mitglieder am Ende eines Events nach Hause fahren und nichts zu erzählen haben. Aber Achtung! Ob die Teilnehmer Spass haben oder sich überanstrengen ist ein schmaler Gart, vor allem wenn die Hitze auf einer Veranstaltung gross ist, wie es auf Liebegg der Fall war. Doch oft sind Situationen bei denen man an seine Grenzen und darüber hinaus geht, die, an welche man sich noch Jahre später erinnert (meist mit einer romantischen Verklärung :).

3. Behalte als Leutnant die Zeit im Auge und sei niemals zu spät.

Es ist ziemlich beschämend,  mit frisch geputzten Zähnen von der Morgentoilette zu kommen und dann zu bemerken, dass die Messe bereits angefangen hat, 39 Personen daran teilnehmen und der Platz des Leutnants in der ersten Reihe leer ist, oder wenn man die Zeit auf dem Markt vergisst und das Muster wegen dem fehlenden Leutnant eine Stunde verschoben werden musste.

Glaubt mir, das ist wirklich peinlich, ich spreche da aus leidvoller Erfahrung.

4. Kläre die Kompetenzen mit dem Quartermaster.

Quartermaster können recht bissig sein, vor allem wenn man in ihrem Revier wildert. Also am Besten schon im Vorfeld die Kompetenzen klären, idealerweise mit Messerwerfen.

Nachdem ich das mit dem Quartermaster auf Liebegg ausgehandelt hatte, lief der Anlass richtig rund.

Dies sind meines Erachtens die vier wichtigsten Punkte.


Die neuen Veteranen zu vereidigen, ist nur eine der vielen Pflichten eines Leutnants. (Photo by Eliane Caramanna)

Es gäbe noch einige mehr, zum Beispiel die Wahl des Leibwächters. All zu schnell meint ein Leibwächter nicht nur das Leben des Leutenants, sondern auch das der Frau des Leutnants schützen zu müssen. Dies kann aber auch zu erbaulichen Situationen führen. Auf Liebegg gab es diesbezüglich eine unterhaltsame Gerichstverhandlung die damit endete, dass der Leibwächter während des Essens auf einem Ast über dem Offizierstisch sass und in verschiedenen Sprachen und Dialekten „ich darf nicht die Frau des Leutnants berühren“ rezitieren musste.

Ein gesunder Konkurrenzkampf zwischen den Dizaines schadet auch nicht. Wenn die Dizainiers (die Unteroffiziere) mit einem Spiel in Front ihrer Soldaten versuchen auszumarchen, welche der beiden Dizaines die unangenehme Tagesaufgabe übernehmen soll, kommt sowas wie Sportstadionstimmung auf. Und ganz spassig ist es, wenn das Spiel mit einem Unentschieden endet, da freuen sich Leutnant und Quartermaster besonders.

Auch empfehlenswert ist es Soldaten dafür zu bezahlen, sich unter ihren Kameraden umzuhören. Auf Liebegg konnte ich dadurch knapp eine Meuterei abwenden, weil mir zugetragen wurde, dass die Soldaten unzufrieden sind, da sie seit Jahren keinen Sold mehr erhalten hätten. Glücklicherweise traf ich vor Ort einen Geldwechsler bei dem ich Münzen eintauschen konnte. So konnte ich das Wochenende beenden wie ich es begonnen hatte: In der Position des Leutnants.

Hm, wenn ich nun diese Zeilen lese und die ganzen Erinnerungen aufsteigen muss ich gestehen, ich hatte doch sehr viel Spass als Leutenant, und möchte die Erfahrung nicht missen. Aber ich habe auch nichts dagegen, den Job das nächste Mal wieder in die erfahrenen Hände von Mathieu abzugeben.

Ich möchte hier noch einmal allen Teilnehmern des Companielagers auf Liebegg danken. Dank euch hatte ich jede Menge Spass und ein tolles Wochenende. Ihr seid grossartig!

Pour le Duc!

Von Thomas Rauber, Veteran Company Mitglied

 

Hier klicken um diesen Artikel zu kommentieren.

Share on Facebook